Der Vision Mercedes-Maybach 6 in tiefem Metallicrot mit riesigem Kühlergrill

Konzepte · 2016

Eine Yacht, die Auto fahren lernte.

Pebble Beach, 2016: Mercedes parkte ein knapp sechs Meter langes rotes Coupé zwischen den Klassikern — und legte vier Elektromotoren unter sein Bootsheck.

Der Name rundete auf. Mit 5.700 mm war der Vision Mercedes-Maybach 6 nicht ganz sechs Meter lang, aber lang genug, um jedes andere Coupé auf dem Rasen höflich wirken zu lassen. Gorden Wagener nannte die Aufgabe sinnliche Klarheit im Extrem — ein Aero-Coupé für das elektrische Zeitalter.

Die Inspiration kam von den Stromlinienwagen der 1930er-Jahre: endlose Haube, Kabine weit nach hinten geschoben, Bootsheck. Der Kühlergrill wurde als Nadelstreifenanzug beschrieben. Die Türen waren Flügeltüren.

Kapitel I

738 hp, kein einziger Zylinder.

Vier permanentmagneterregte Motoren — einer pro Rad — ergaben Allradantrieb mit Torque Vectoring. Systemleistung: 550 kW (738 hp). Von null auf 100 km/h in unter vier Sekunden; Höchstgeschwindigkeit auf 250 begrenzt. Ein Akkupaket im Unterboden von etwa 80 kWh versprach mehr als 200 Meilen (EPA) / über 500 km (NEDC).

CCS-Gleichstromladen mit bis zu 350 kW sollte in fünf Minuten rund 100 km nachfüllen. Induktives Laden stand schon auf der Roadmap für 2018. Die illuminierten Schwellerleisten bewarben, was die Stille bestätigte: Hier trug ein Elektroauto Maybach-Roben.

Innen: Sitze im Chesterfield-Stil, Zierteile in Roségold, polierte Rüsterböden und eine Windschutzscheibe, die zugleich transparentes Display war — Instrumente und Navigation über das Glas projiziert. Ein 2+2-Layout in einer Kabine, die sich anfühlte wie eine Lounge, die eine Instrumententafel verschluckt hat.

Länge
5,70 m
Leistung
738 hp
0–100
<4 s
Räder
24″
Seitenansicht des Vision Mercedes-Maybach 6 mit Bootsheck
Haube ohne Ende, Kabine nach hinten, dahinter das Bootsheck. Ein Stromlinienwagen, gezeichnet mit einem Lineal von 1938 und einem Stift von 2016.

Kapitel II

Eine Zugabe als Cabriolet.

Ein Jahr später zeigte Mercedes das Vision Mercedes-Maybach 6 Cabriolet — dieselbe Dramatik, konventionelle Türen, offener Himmel. Keine der beiden Versionen war für eine Preisliste gedacht. Beide sollten Monterey erzählen, dass Maybachs Zukunft elektrisch sein kann, ohne karg zu werden.

Heckansicht des Vision Mercedes-Maybach 6 aus der Dreiviertelperspektive
Schmale LED-Leuchten an einem Heck, das von einem Mahagoni-Motorboot stammen könnte.

Epilog

Die Länge, die eine Aussage blieb.

Kein sechs Meter langes Maybach-Coupé erreichte den Schauraum. Was die Kunden erreichte, war die Haltung: Interieurs von EQS und Maybach S-Klasse, die den Elektroantrieb als weitere Form der Stille behandeln, und Designstudien, die den Stromlinienwagen weiter zitieren. Der Vision 6 bleibt die reinste Zeichnung dieser Idee — fast sechs Meter rotes Blech, die behaupten, dass Exzess und Effizienz keine Gegensätze sind.

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