Mercedes-Benz F-CELL Roadster mit weißer Nase im Formel-1-Stil und Drahtspeichenrädern

Konzepte · 2009

Die Zeitmaschine der Auszubildenden.

Einhundertfünfzig Auszubildende, ein Jahr und eine Frage: Wie sähe das erste Automobil der Geschichte aus, wenn man es noch einmal bauen würde — mit einer Brennstoffzelle?

April 2009, auf der Straße von Mannheim nach Pforzheim. Eine seltsame weiße Maschine auf hohen Drahtspeichenrädern summt jene Strecke entlang, die Bertha Benz 1888 nahm, als sie sich die Erfindung ihres Mannes ohne zu fragen auslieh und in die Geschichte fuhr. Diesmal ist das Abgas Wasser.

Der F-CELL Roadster war nie für ein Podest auf dem Autosalon gedacht. Er wurde als Lehrstück gebaut — von denen, die noch lernten.

Kapitel I

Ein Klassenzimmer auf Rädern.

Rund ein Jahr lang trugen mehr als 150 Auszubildende und Studierende im Werk Sindelfingen das Projekt vom Konzept bis zum fertigen Fahrzeug — Mechatroniker in der Ausbildung, Modellbauer, Elektroniker, Lackierer, Produktdesigner und Polsterer, jedes Gewerk mit seinem Beitrag.

Das offizielle Ziel war, alternative Antriebe als praktische Erfahrung in die Berufsausbildung zu holen. Das unoffizielle Ergebnis war eine der charmantesten Maschinen, die Mercedes je gezeigt hat.

Jedes Element zitiert ein anderes Jahrhundert. Die hohen Drahtspeichenräder sind reiner Benz Patent-Motorwagen von 1886; die weiße Nase aus Glasfaser ist von einem Formel-1-Wagen geliehen; die Schalensitze sind Karbon unter handvernähtem Leder.

Und statt eines Lenkrads gibt es einen Drive-by-Wire-Joystick — was futuristisch klingt, bis man sich daran erinnert, dass der Patent-Motorwagen ebenfalls kein Lenkrad hatte. Diese Erfindung lag 1886 noch Jahre in der Zukunft. Der Joystick ist der Lenkhebel, wiedergeboren.

Leistung der Brennstoffzelle
1,2 kW
Höchstgeschwindigkeit
25 km/h
Reichweite
350 km
Erbauer
150+
Nahaufnahme des Drahtspeichenrads und des Stahlgestänges am F-CELL Roadster
Messingnaben, schwarze Speichen, polierte Gestänge: Kutschenbau und Brennstoffzellentechnik in einer einzigen Vorderecke.

Kapitel II

Berthas Straße, noch einmal.

Die Brennstoffzelle sitzt im Heck und leistet ganze 1,2 Kilowatt — etwa eineinhalb PS, nahe verwandt mit den zwei Dritteln PS, die Carl Benz 1886 zustande brachte. Die Höchstgeschwindigkeit ist fahrradmäßige 25 km/h. Doch der Tank reicht für 350 Kilometer, und im April 2009 nutzte der Roadster sie gut: Er fuhr die Bertha Benz Memorial Route nach, die erste Autoreise der Welt, mit Wasserstoff.

1888 kaufte Bertha Benz in einer Apotheke in Wiesloch Ligroin — die erste Tankstelle der Erde. Der Nachfolger ihrer Maschine war 121 Jahre später wieder ein Fahrzeug, das seiner Kraftstoffversorgung voraus war.

Der F-CELL Roadster auf einer von Bäumen gesäumten Landstraße
Auf Straßen wie diesen folgte die Maschine der Auszubildenden im Frühjahr 2009 der Route, die Bertha Benz 1888 von Mannheim in Richtung Pforzheim genommen hatte.

Epilog

Das langsamste Konzeptfahrzeug, der weiteste Blick.

Kein Konzeptfahrzeug dieser Sammlung ist langsamer, und wenige sagen mehr. Der F-CELL Roadster lehrte einen ganzen Jahrgang von Auszubildenden — jene Leute, die ihr Berufsleben mit dem Bau elektrischer Mercedes verbringen würden —, dass eine Antriebsrevolution etwas ist, das man mit den eigenen Händen zusammensetzen kann. Und er erhob einen stillen Anspruch auf Kontinuität: von Ligroin zu Wasserstoff — das Unternehmen, das das erste Automobil baute, hat vor, auch das zu bauen, was als Nächstes als Automobil gilt.

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