Der Mercedes-Benz Vision EQXX in metallischem Silber mit roségoldenen Akzenten

Konzepte · 2022

Tausend Kilometer. Eine Ladung.

Keine größere Batterie — ein dünneres Auto. Mercedes baute das effizienteste Elektrofahrzeug, das im Haus je entstanden war, und fuhr es dann quer durch Europa, um zu beweisen, dass die Zahl echt ist.

Im Januar 2022 stellte Vorstandsvorsitzender Ola Källenius einen silbernen Tropfen und ein Versprechen vor, das nach Marketing klang: mehr als 1.000 km mit einer Batterie, die in einen Kompaktwagen passen würde, bei unter 10 kWh je 100 km. Achtzehn Monate Arbeit. Eine Obsession: Effizienz.

Im April darauf verließ der Vision EQXX Sindelfingen, überquerte die Alpen und rollte mit noch etwa 15 Prozent Ladung in Cassis an der Côte d’Azur ein — mehr als 1.000 Kilometer, Durchschnittsverbrauch 8,7 kWh/100 km. Die Tränen im Team waren nicht gestellt.

Kapitel I

cW-Wert 0,17 — und sieht immer noch aus wie ein Auto.

Designer und Aerodynamiker jagten einem Tropfen nach: Kammheck, hintere Spur 50 mm schmaler als vorn, halbtransparente Radblenden mit winzigen Öffnungen. Das Ergebnis war ein cW-Wert von 0,17 — unter dem des EQS, unter dem des Model S — und das ohne Radabdeckungen an der Hinterachse.

Echte Außenspiegel behielten sie mit Absicht. Kameraspiegel hätten Strom gezogen, den das Reichweitenbudget nicht hergab.

Auf dem Dach speisten 117 Solarzellen vom Fraunhofer-Institut einen separaten Lithium-Eisenphosphat-Akku für die Nebenverbraucher — Navigation, Klimatisierung, Scheibenwischer —, was an einem langen Tag bis zu etwa 25 km Entlastung der Hochvoltbatterie wert war.

Bionische Leichtbaustrukturen, Magnesiumräder, auf Rollwiderstand hin entwickelte Bridgestone-Reifen: Jedes Gramm und jedes Watt hatte einen Namen in einer Tabelle.

cW-Wert
0,17
Batterie
<100
kWh nutzbar
Verbrauch
8,7
kWh / 100 km
Spannung
>900 V
Die Tropfensilhouette des Vision EQXX in der Dreiviertelansicht
Lange Nase, langer Auslauf, schmale Hinterspur — der Tropfen, gezeichnet als Straßenauto, nicht als Laborprojekt.

Von Sindelfingen nach Cassis

1.000+ km

Auf öffentlichen Straßen, mit einer Ladung — und dann noch einmal im Juni 2022 und im März 2024.

Das Heck des Vision EQXX mit Kammheck und rotem Lichtband
Das Kammheck, das den Nachlauf tötet. Form, die einer Tabelle folgt und dabei endlich schön geworden ist.

Epilog

Der Bauplan, nicht der Prospekt.

Der EQXX sollte nie so verkauft werden, wie er gezeichnet war. Er sollte der MMA-Architektur beibringen, weniger zu verschwenden — Software-First-Bedienung, Siliziumkarbid-Inverter, eine Batteriepackung, die dicht genug für einen kompakten Grundriss ist. Reichweitenangst, so das Argument von Mercedes, stirbt, wenn Effizienz zum Produkt wird. Der silberne Tropfen war der Arbeitsnachweis.

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