Mercedes-Benz Vision CLS in tiefem metallischem Burgunderrot

Konzepte · 2003

Das Coupé, das vier Türen lernte.

Frankfurt, 2003: Mercedes fragte, ob eine Limousine das Dach eines Coupés tragen könne — und erfand ein Segment, das die ganze Branche kopieren würde.

Auf dem IAA-Stand hieß es auf dem Banner „Aus einer Idee wird eine Vision“. Die Idee war fast peinlich einfach: Man nehme die Eleganz eines zweitürigen Coupés und weigere sich, die hinteren Türen aufzugeben.

Der Vision CLS war kein wildes Forschungsfahrzeug. Er war eine seriennahe Studie für ein neues Marktsegment — und binnen eines Jahres würde daraus der C219 CLS werden, während die Konkurrenz hastig nach einer Antwort suchte.

Kapitel I

Raum einer Limousine. Begehren eines Coupés.

Rahmenlose Seitenscheiben, ein Dach, das in einem durchgehenden Bogen abfiel, eine hohe Gürtellinie — und dennoch 829 mm zwischen Vorder- und Rücksitzen, Limousinenterritorium. Der Kofferraum fasste 470 Liter, mehr als viele Coupés und manche Limousinen. Mercedes nannte es das Beste zweier Welten; das Messepublikum nannte es unvermeidlich.

Öffnet man auf einer Seite beide Türen, wird der Innenraum zu einer säulenlosen Öffnung auf cremefarbenes Leder, Rautensteppung und Eiche — eine Generalprobe für das Interieurtheater des Serienautos.

Das Design des Serien-CLS würde durch das Studio von Peter Pfeiffer laufen; der Vision trug schon die abfallende Charakterlinie und das gewölbte Fensterband, die das Segment definieren sollten. Er war weniger ein Wagnis als eine sorgfältig inszenierte Meinungsumfrage — und die Antwort war ja.

Vision CLS mit beiden Türen einer Seite geöffnet, mit Blick auf das cremefarbene gesteppte Interieur
Säulenloses Drama. Cremefarbenes Leder, gesteppte Türverkleidungen und ein Holzarmaturenbrett, das sich schon serienreif anfühlte.

Kapitel II

Ein Diesel mit Manieren.

Unter der burgunderroten Haut saß ein 3,0-Liter-V6-Biturbodiesel — 195 kW (265 hp), 560 N·m — verbunden mit der ersten Siebengang-Automatik der Welt für Personenwagen, 7G-TRONIC. Null auf 100 km/h in 6,4 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit auf 250 begrenzt. Verbrauch: 7,5 L/100 km, EU4-sauber.

Der Rest der Ausstattung war schon Seriensprache: Active Light System aus der E-Klasse W211, elektrohydraulische Sensotronic-Bremsen aus dem SL R230, adaptive Airbags, Windowbags und Sidebags. Der Vision CLS erfand nicht die Zukunft der Fahrwerkselektronik. Er erfand eine Karosserieform.

Leistung
265 hp
0–100 km/h
6,4 s
Kofferraum
470 L
Getriebe
7G
Seitenansicht des viertürigen Coupés Vision CLS
Die Dachlinie, die tausend Nachahmer auf den Weg brachte — noch immer die klarste Zeichnung davon, was ein viertüriges Coupé sein sollte.

Epilog

Von der Vision zum Vokabular.

Der Serien-CLS kam 2004 und sah nahezu unverändert aus. Binnen eines Jahrzehnts hatte jede Premiummarke ein viertüriges Coupé — A7, A5 Sportback, Gran Coupé, Panamera — und Mercedes selbst dehnte die Idee auf den CLA und den CLS Shooting Brake aus. Nur wenige Konzeptfahrzeuge schreiben das Wörterbuch um. Der Vision CLS tat es: Nach Frankfurt 2003 war „viertüriges Coupé“ kein Widerspruch mehr, sondern ein Segment.

Heck des Vision CLS mit dem Kennzeichen VISION CLS
Der Name auf dem Schild war vorläufig. Die Form nicht.

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