Das Konzeptfahrzeug Mercedes-Benz Silver Lightning mit nabenlosen Rädern und cyanfarbenen Ringen

Konzepte · 2011

Hollywoods Silberpfeil.

Los Angeles verlangte das heißeste Filmauto der nahen Zukunft. Mercedes antwortete mit nabenlosen Rädern, magnetischen Dachplättchen und zwei Crashtest-Dummys auf Rettungsmission.

Die Design Challenge der Los Angeles Auto Show 2011 wollte „Hollywoods heißestes neues Filmauto“. Im Advanced Design Studio in Carlsbad — derselben Werkstatt, die kurz zuvor den Biome hatte wachsen lassen — begann Creative Director Hubert Lee nicht mit einem Tonmodell, sondern mit einem Storyboard.

Der Kurzfilm hieß Silver Lightning. Das Auto, das darin die Hauptrolle spielte, trug denselben Namen — oder Silver Arrow, in den romantischeren Pressemitteilungen — und sah aus wie ein Grand-Prix-Wagen von 1937, neu geschrieben von Syd Mead.

Kapitel I

W125 trifft Tron.

Die Silhouette zitierte Rudolf Caracciolas W125-Silberpfeil von 1937 und Rudolf Uhlenhauts 300 SLR von 1955 — lange Nase, winziges Cockpit, Räder als Skulptur. Auf dem Moodboard lagen außerdem Star Trek, Tron: Legacy und die Speeder-Jagd aus Attack of the Clones.

Was wie Räder aussah, waren nabenlose omnidirektionale Rollen, eingebettet in Karosserieschalen — diagonale Gummisegmente, die den Wagen in jede Richtung lenken konnten, gefasst in Ringe, die übergangslos in die Flanken liefen.

Das Dach war Mag-Tech: ein Feld kleiner magnetischer Quadrate, die sich zu einem Hardtop zusammenschlossen oder zum Roadster abblätterten. Der Einstieg war Theater — die ganze Nase samt Grill und Armaturenbrett schob sich nach vorn, damit Scherentüren in den ausgeformten Raum zwischen den Vorderrädern öffnen konnten.

Als Antrieb waren ein Motor an jedem Rad und Lithium-Ionen-Zellen gedacht. Das Ausstellungsstück selbst bestand aus faserverstärktem Kunststoff — eine Skulptur für eine Design Challenge, kein Straßenprototyp.

Nahaufnahme des nabenlosen Rades des Silver Lightning mit cyanfarbenem Zierring
Ein Rad, das auch ein Gelenk ist. Die nabenlosen Ringe waren die Signatur des Wagens — und seine Science-Fiction-Pointe.

Kapitel II

Hans05 und Franz02 zur Rettung.

Der Wettbewerb verlangte einen Film. Mercedes besetzte zwei Crashtest-Dummys — Hans05 und Franz02 — gegen den schurkischen Dr. Crash-Barrier, der ihnen ihren geliebten Silver Lightning gestohlen hatte. Der Kurzfilm gewann bei der Design Challenge den Preis für die beste Animation.

Ein Witz mit ernster Ahnenreihe. Mit Crashtest-Dummys verkauft Mercedes seit Jahrzehnten Sicherheit; hier wurden sie zu Actionhelden, die die Rennsportgeister der Marke verteidigen. Hundertfünfundzwanzig Jahre Automobil, gefiltert durch ein Hollywood-Pitchdeck.

Heckansicht des offenen Cockpits des Silver Lightning aus dem Dreiviertelwinkel
Zwei Sitze, Dach nicht erforderlich. Die Mag-Tech-Plättchen konnten ein Hardtop bilden — oder zu Hause bleiben, für den Roadster-Look.

Epilog

Ein Konzeptfahrzeug, das nie einen Schauraum brauchte.

Der Silver Lightning sollte nie den SLS des nächsten Jahres vorwegnehmen. Er nahm vorweg, wie Mercedes in Kalifornien über sich selbst sprechen wollte — Tradition als Science-Fiction, Sicherheit als Abenteuer, der Silberpfeil als Figur mit Namen. Jahre später sollte der Vision EQ Silver Arrow einer leiseren, elektrischen Fassung desselben Mythos nachjagen. Die nabenlosen Rollen blieben im Kino.

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