
Konzepte · 2002–2011
Mit Wasserstoff um die Welt.
Während die Branche noch debattierte, ob Brennstoffzellen jemals funktionieren würden, baute Mercedes zweihundert davon, gab die Schlüssel an gewöhnliche Kunden — und fuhr dann mit drei von ihnen um den Planeten.
Stuttgart, 30. Januar 2011 — einhundertfünfundzwanzig Jahre, fast auf den Tag, nachdem Carl Benz das Patent für das Automobil angemeldet hatte. Drei limettengrüne Schrägheckmodelle der B-Klasse rollen in den Wintermorgen hinaus, die Nase nach Osten. Sie werden nicht anhalten, bis sie die Welt umrundet haben.
In ihren Tanks steckt Wasserstoff; aus ihren Auspuffen kommt Wasserdampf. Die F-CELL World Drive war das Ausrufezeichen am Ende eines Satzes, der ein Jahrzehnt gedauert hatte — jenes stille, beharrliche Programm, das Brennstoffzellenautos von Labordemonstrationen zu Fahrzeugen machte, die man beim Händler leasen konnte.
Kapitel I
Das Kraftwerk schrumpfen.
1994 bewies das erste NECAR — „New Electric Car“ —, dass eine Brennstoffzelle ein Fahrzeug antreiben kann, sofern das Fahrzeug ein Transporter ist, dessen gesamter Laderaum voller Technik steckt. Fünf Jahre Miniaturisierung später versteckte NECAR 4 das ganze System im Sandwichboden einer A-Klasse, bei 200 Kilometern Reichweite.
Die A-Klasse F-CELL von 2002 machte aus diesem Experiment eine kleine Flotte. Ab 2004 füllten echte Kunden in Berlin echte Mercedes an einer öffentlichen Tankstelle mit Wasserstoff — pendelten, kauften ein, parkten am Straßenrand — in Autos, die bis auf den Schriftzug wie jede andere A-Klasse aussahen.
Der entscheidende Schritt kam 2009. Die B-Klasse F-CELL entstand nicht in einer Werkstatt, sondern auf Serienwerkzeugen — das erste Brennstoffzellenauto der Welt, das unter Serienbedingungen gefertigt wurde. Ihr 100-kW-Antrieb entsprach einem Zweiliter-Benzinmotor; ihre 700-bar-Tanks streckten die Reichweite auf rund 400 Kilometer; sie startete im Winter.
Zweihundert wurden gebaut und an Kunden in Europa und Kalifornien verleast. Bis 2013 hatte die Flotte mehr als 3,3 Millionen Kilometer zurückgelegt — damals die größte Brennstoffzellen-Flottenerfahrung der Welt.
- Antriebsleistung
- 100 kW
- Tankdruck
- 700 bar
- Reichweite
- 400 km
- In Serie gebaut
- 200

125 Tage · 14 Länder · 4 Kontinente
30.000 km
Einmal um die Welt — mit Wasserstoff, 2011
Kapitel II
Der lange Weg nach Hause.
Die eigentliche Fracht der World Drive war ein Argument. Die Autos liefen fehlerlos durch Europa, Nordamerika, Australien und Asien; was beinahe nicht lief, war die Logistik, denn 2011 gab es auf dem ganzen Planeten nur rund 200 Wasserstofftankstellen. Ein Begleitfahrzeug führte den Kraftstoff mit, den die Welt noch nicht bereitstellen konnte. Die Technik sei bereit, sagte Mercedes damit — die Infrastruktur nicht.
Einhundertfünfundzwanzig Tage nach der Abfahrt aus Stuttgart rollten die drei grünen Autos wieder herein und hatten beide Hälften der Aussage bewiesen.

Epilog
Der Weg, der nicht genommen wurde.
Die F-CELL-Linie setzte sich 2018 im GLC F-CELL fort — dem ersten Brennstoffzellen-Plug-in-Hybrid der Welt —, bevor Mercedes zu dem Schluss kam, dass die Batterie das Rennen im Pkw gewonnen hatte, und die Wasserstoffarbeit auf schwere Lkw umlenkte. Die Warnung der World Drive ist gut gealtert: Mehr als ein Jahrzehnt später gibt es die Tankstellen, nach denen sie suchte, größtenteils immer noch nicht.