
Konzepte · 2011
Das Geburtstagsauto aus der Zukunft.
Zum 125. Geburtstag des Automobils baute Mercedes eine S-Klasse von etwa 2025: Flügeltüren, einen in die Karosserie verschmolzenen Wasserstofftank und tausend Kilometer Reichweite.
Frankfurt, September 2011. Einhundertfünfundzwanzig Jahre nachdem Carl Benz das Patent Nummer 37435 für sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ angemeldet hatte, enthüllt sein Unternehmen ein fünf Meter langes silbernes Coupé, dessen Name mit einem Ausrufezeichen endet: F 125!
Über dem Stand stand „Legend meets future“. Den Legenden-Teil erkannte man auf Anhieb — diese Türen. Der Zukunfts-Teil war eine Behauptung: dass ein großer, luxuriöser Mercedes vollkommen emissionsfrei fahren kann, ohne sich wie ein Kompromiss anzufühlen.
Kapitel I
Flügel, ohne Säulen.
Die Flügeltüren waren keine Nostalgie — sie waren ein strukturelles Argument. Die Karosserie mischt Kohlefaserverbund, Aluminium und hochfesten Stahl zu einer Hülle, die so steif ist, dass die B-Säulen entfallen konnten, wobei der crashaktive Schutz in die riesigen Türen selbst eingebaut ist. Mercedes stellte das ausdrücklich als Fortschreibung von Béla Barényis Prinzip der starren Fahrgastzelle von 1952 dar.
Jede Tür öffnet einen vollwertigen viersitzigen Luxusinnenraum — kein Bücken um eine Säule herum, keine hintere Tür nötig.
Das Design, entwickelt unter Gorden Wagener, war ein langer Blick auf die nächste S-Klasse-Generation — der breite, aufrechte Kühlergrill, die über die ganze Länge modellierten Flanken und die geschwungene Dachlinie tauchten binnen weniger Jahre in den Serien-Flaggschiffen von Mercedes auf.
Innen antwortete ein cloudverbundenes System namens @yourCOMAND auf Gesten und natürliche Sprache — im Jahr 2011, Jahre bevor Sprachassistenten Namen hatten.

Kapitel II
Ein Tank, den man nicht herausnehmen kann.
Der F 125! war ein Wasserstoff-Plug-in-Hybrid. Eine Brennstoffzelle versorgte vier Motoren — einen pro Rad, in einem drehmomentjonglierenden System, das Mercedes e4MATIC nannte — mit zusammen 230 kW. Eine 10-kWh-Lithium-Schwefel-Batterie, eine Chemie, die bis heute experimentell bleibt, bewältigte die ersten 50 Kilometer allein; Wasserstoff deckte den Rest von insgesamt angegebenen 1.000 Kilometern.
Die kühnste Idee versteckte sich im Boden. Anstelle der üblichen 700-bar-Zylinder schlug der F 125! einen strukturellen Wasserstofftank vor — einen Speicher, verschmolzen mit der Karosserie selbst, der mit einem Bruchteil des Drucks arbeitet und dem Innenraum keinen Platz stiehlt. Mercedes bezeichnete es als Forschung im Frühstadium und stellte eine Serienfertigung um 2025 in Aussicht.
- Systemleistung
- 230 kW
- 0–100 km/h
- 4,9 s
- Gesamtreichweite
- 1.000 km
- Batterie
- 10 kWh Li-S

Epilog
Die Zukunft, die den anderen Weg nahm.
Der F 125! wettete darauf, dass der Wasserstoff das Luxusauto gewinnt; das folgende Jahrzehnt schrieb diesen Sieg den Batterien zu, und Mercedes verlegte seine Brennstoffzellenarbeit schließlich auf Lastwagen. Lithium-Schwefel-Zellen und strukturelle Tanks bleiben Laborwissenschaft. Doch die Silhouette des Wagens ist perfekt gealtert — man muss nur die Augen zusammenkneifen und sieht das S-Klasse Coupé von 2014 — und seine zentrale Frage, wie ein Flaggschiff ohne V12 ein Flaggschiff bleibt, ist jene, die jeder Mercedes seither beantworten musste.